GQ-Bayern - dreistufiges Kontrollsystem

Im Programm "Geprüfte Qualität" wird auf jeder Ebene der Produktions- und Handelskette dreistufig kontrolliert. Die Grundlage des Systems bildet zunächst die Eigenkontrolle der teilnehmenden Betriebe mit Aufzeichnung der Betriebsabläufe. Unabhängige Zertifizierungsstellen (Akkreditierung nach DIN EN 45011) überprüfen dieses Eigenkontrollsystem bzw. die Einhaltung der jeweiligen Qualitäts- und Prüfbestimmungen. Als dritte Stufe erfolgt die staatliche Kontrolle der Zertifizierungs- bzw. Prüfeinrichtungen, sowie die Systemaufsicht durch die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) und die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) (Etikettierungsverordnung).

Die Einhaltung der Programmvorgaben (Qualitäts- und Herkunfts-
kriterien) wird dabei stufenübergreifend von der Erzeugung, über die Verarbeitung bis zum Handel bzw. Endverkauf durch Futtermittel- und Lebensmitteluntersuchungen, Mengenplausiblisierungen und Isotopenanalysen kontrolliert.


Am Beispiel des Produktbereiches Rinder und Rindfleisch erläutern nachfolgende Punkte das GQ-Bayern-Kontrollsystem im Einzelnen:

Allgemeine Details zur Kontrollsystematik


Wie funtioniert das GQ-Bayern Kontrollsystem im Detail?

Alle Beteiligten vom Futtermittelerzeuger über den Landwirt, die Schlacht- und Zerlegebetriebe, die Metzgereien bis hin zum Lebensmitteleinzelhandel werden in regelmäßigen Abständen von den Zertifizierungsstellen kontrolliert, die nach DIN EN 45 011 akkreditiert sind.

Die Kontroll- und Aufsichtsfunktion basiert auf Prüfplänen, Kontroll-
statistiken und zusätzlichen externen Kontrollen. 

So muss z.B. bei den Produktbereichen "Rinder und Rindfleisch" sowie "Kälber und Kalbfleisch" jeder teilnehmende Landwirt einen gültigen Vertrag mit dem Lizenznehmer LQB - Landwirtschaftliche Qualitätssicherung Bayern GmbH über die Teilnahme am Programm "Geprüfte Qualität" geschlossen haben.

Jeder teilnehmende Landwirt garantiert in einer rechtsgültigen Erklärung gegenüber dem beauftragten Prüfinstitut, dass die gelieferten Tiere alle Voraussetzungen zur Aufnahme in das Programm "Geprüfte Qualität - Bayern" erfüllen.

Welche Vorteile ergeben sich aus diesem dreistufigen Kontrollsystem für den Verbraucher?
Zuverlässige, neutrale Kontrollen aller Produktions- und Vermarktungsstufen gewährleisten ein sehr hohes Kontrollniveau und damit die Einhaltung der Qualitäts- und Prüfbestimmungen.

Kontrolle bei den Futtermittelherstellern

Das Programm "Geprüfte Qualität - Bayern" erlaubt den Bezug von Mischfuttermitteln nur von Herstellern, die einem umfassenden und anerkannten Qualitätssicherungssystem angeschlossen sind. Alle Futtermittelhersteller werden daher von einer nach DIN EN 45011 akkreditierten, externen Zertifizierungsstelle kontrolliert. Die Futtermittelproben müssen durch unabhängige Auditoren gezogen und von akkreditierten Laboren untersucht werden (A-Futter-Standard).

Die Futtermittelhersteller müssen die einwandfreie Beschaffenheit ihrer Futtermittel garantieren und die Bezeichnungen der einzelnen Einzelfuttermittel in absteigender Reihenfolge nach Gewicht angeben. In den Futtermitteln dürfen keine unerwünschten und verbotenen Stoffe enthalten sein. Zugekaufte Einzelfuttermittel können von QS-zugelassenen Futtermittelherstellern stammen. Von nicht zertifizierten Einzelfuttermitteln müssen Garantieerklärungen des Vorlieferanten oder Produktdatenblatter des Herstellers vorliegen.

Die Futtermittel-Ausgangserzeugnisse müssen der Positiv-Liste für Einzelfuttermittel der Normenkommission beim Zentralausschuss der Deutschen Landwirtschaft entsprechen. 

Kontrolle auf dem landwirtschaftlichen Betrieb

Futtermittel
Rückstandsfreie Futtermittel sind eine Voraussetzung für gesunde Tiere und sichere Lebensmittel. Deshalb dürfen im Rahmen des Programms „Geprüfte Qualität - Bayern“ nur Futtermittel eingesetzt werden, die einem umfassenden Qualitätssicherungssystem unterliegen und entsprechend zertifiziert sind. Der Landwirt verpflichtet sich, bei Rindern nur ausdrücklich zugelassene Mischfuttermittel (z.B. "A-Futter") von geprüften und vertraglich eingebundenen Futtermittelherstellern zu beziehen bzw. bei Eigenmischungen Mischprotokolle anzufertigen und diese bei der Überprüfung vorzulegen.

Im Zuge der externen Kontrollen am landwirtschaftlichen Betrieb wird mindestens eine Futtermittelprobe entnommen und gemäß einem Analyseplan auf unerwünschte Rückstände in akkreditierten Laboren untersucht.

Was verbirgt sich hinter der Positivliste für Futtermittel?
Um Kontaminationen mit unerwünschten Stoffen zu vermeiden, hat die Normenkommission beim Zentralausschuss der Deutschen Landwirtschaft eine Positivliste für Einzelfuttermittel erarbeitet. In dieser sind alle Futtermittel-Ausgangserzeugnisse (FMA) festgelegt, die für die Herstellung von Futtermischungen verwendet werden dürfen. Die einzelnen Bestandteile werden aber nicht nur aufgelistet, sondern auch exakt beschrieben – so z. B. bezüglich der Herkunft und dem Herstellungsweg.

Welche Vorteile ergeben sich für den Verbraucher aus der Einbindung der landwirtschaftlichen Erzeugung in das GQ-Programm?
Das Qualitätssicherungssystem "Geprüfte Qualität - Bayern" bietet dem Verbraucher bereits auf der Stufe der landwirtschaftlichen Erzeugung mehr Qualität und mehr Transparenz durch zielgerichtete Kontrollen. Und eine gewissenhafte und regelmäßig kontrollierte landwirtschaftliche Erzeugung bietet ein Mehr an Sicherheit für gesunde Nahrungsmittel.

Klärschlamm
Im Klärschlamm befinden sich neben Pflanzennährstoffen auch Schwermetalle, Bakterien oder Dioxine in unterschiedlichen Konzentrationen. Diese könnten bei nicht-sachgemäßer Anwendung über die Futtermittel in die Nahrungskette gelangen. Dies wird durch das Ausbringungsverbot im Rahmen von GQ-Bayern verhindert. Bei den regelmäßigen Kontrollen wird dies auf der Stufe Landwirtschaft überprüft.

Verhaltensauffälligkeiten
Rinder werden auf dem landwirtschaftlichen Betrieb auf Verhaltensauffälligkeiten hin beobachtet.

Kontrolle im Schlachtbetrieb

Im Schlachthof wird jedes Schlachttier durch einen neutralen Sachverständigen auf die Einhaltung der Qualitäts- und Prüfbestimmungen kontrolliert.

Im Programm "Geprüfte Qualität - Bayern" werden bei Rindern verbesserte Schlachttechniken eingesetzt wie das Absaugen des Rückenmarks oder das Entfernen der Wirbelsäule.

Auch die Fleischqualität wird hier kontrolliert.

 Wie wird die Fleischqualität kontrolliert?
Bei Rindern z.B. darf der pH-Wert nicht über 6,0 liegen und am Schlachtkörper darf kein Anzeichen von DFD-Fleisch zu erkennen sein. DFD steht für dark = dunkel, firm = fest und dry = trocken. Bedingt durch einen hohen pH-Wert ist dieses Fleisch leicht anfällig für bakterielle Fäulnis. Dieser Fleischfehler tritt bei gestressten bzw. stressanfälligen Tieren auf. Zusätzlich werden Untersuchungen auf Arzneimittel- bzw. Antibiotika-Rückstände, Leistungsförderer, Hormone, PCBs, Dioxine, Schwermetalle und Gewebeanalysen veranlasst.

Kontrolle bis zur Fleischtheke

Die vertraglich gebundenen Metzgereien und Einzelhändler garantieren, an ihren Fleischtheken ausschließlich Fleisch aus dem Programm "Geprüfte Qualität - Bayern" zu verkaufen. Ausnahmen: Fleisch aus fremdländischen Herkünften und Öko-Fleisch. Dieses muss im Angebot deutlich getrennt und eindeutig gekennzeichnet werden.


 Wie erfolgt die Kontrolle bis zur Fleischtheke?
Eine neutrale Prüfstelle kontrolliert im Schlachtbetrieb vor der Schlachtung jedes einzelne Tier auf die Einhaltung der Programmbestimmungen. Auch auf allen Stufen bis zur Fleischtheke wird von einer neutralen Prüfeinrichtung kontrolliert, ob die Qualitäts- und Prüfbestimmungen exakt eingehalten werden. 

Regionaler Herkunftsnachweis

Tiere aus dem Programm "Geprüfte Qualität - Bayern" müssen in Bayern geboren, gehalten und gemästet werden. Damit kann das Fleisch von der Erzeugung über die Zerlegung bis zum Verkauf an der Ladentheke lückenlos und für den Verbraucher nachprüfbar der regionalen Herkunft zugeordnet werden. Die räumliche Nähe der einzelnen Produktionsschritte fördert darüber hinaus die regionalen Kreisläufe und stärkt die regionalen Märkte.


Wie kann die Herkunft eines Tieres nachgeprüft werden?
Bei Rindern und Kälbern wird jedes Tier bei seiner Geburt registriert und mit zwei identischen Ohrmarken gekennzeichnet. Zudem bekommt es einen Rinderpass, in dem Geburtsdatum, Ohrmarkennummer, Rasse, Geschlecht, Mutter und jeder Verkauf - z.B. des Kalbes vom Milchviehbetrieb zum Mäster - eingetragen wird.

Am Schlachthof wird über jedes Tier ein Schlachtprotokoll angefertigt, das folgende Angaben enthält: Schlachtdatum, Schlachtnummer, Ohrmarkennummer, Schlachtgewicht und Verkäufer/Erzeuger.

Seit dem 1. Januar 2000 muss jedes Tier in einer zentralen Datenbank, dem "Herkunfts- und Informationssystem Tierhaltung" (HIT), erfasst sein. In dieser Datenbank werden u.a. folgende Daten gespeichert:

  • alle rinderhaltenden Betriebe einschließlich der Schlachtbetriebe und der Viehhändler
  • alle zugeteilten Ohrmarkennummern
  • alle Ersterfassungen, Geburten und Importe
  • alle Tierbewegungen einschließlich der Haltungsorte und der Haltungszeiträume
  • alle Daten zur Schlachtung oder der Verendung. In Zweifelsfällen lässt sich der gesamte Lebensweg eines Tieres   anhand dieser Daten zurückverfolgen.

Welche Vorteile ergeben sich aus der Überprüfung des Herkunftsnachweises für den Verbraucher?
Die Überprüfung des Herkunftsnachweises gewährleistet, dass unter dem Zeichen "Geprüfte Qualität - Bayern" ausschließlich durchgängig kontrollierte Produkte aus Bayern in den Handel kommen.

Rindfleischetikettierung

Seit dem 01. September 2000 ist durch die EU-VO Nr. 1760/2000 eine obligatorische Rindfleischetikettierung in der EU in Kraft gesetzt worden. Damit muss jeder Marktteilnehmer Pflichtangaben zur Herkunft von Rindfleisch machen:

  • Referenz-Nummer oder Referenz-Code, mit dem die Verbindung zwischen dem Fleisch und dem Tier gewährleistet ist
  • Zulassungsnummer des Schlachthofes, in dem das Tier geschlachtet wurde, und der Mitgliedsstaat oder das Drittland, in dem der Schlachthof liegt
  • Zulassungsnummer des Zerlegebetriebes, in dem der Schlachtkörper zerlegt wurde, und der Mitgliedstaat oder das Drittland, in dem der Zerlegebetrieb liegt
  • Mitgliedstaat oder Drittland, in dem das Tier geboren wurde
  • Mitgliedstaat, in dem die Mast durchgeführt wurde
  • Mitgliedstaat, in dem die Schlachtung erfolgt ist

Die Identifizierung des Rindfleisches in den Unternehmen auf den jeweiligen Stufen der Erzeugung und Vermarktung muss eine betriebsübergreifende Rückverfolgbarkeit von der Ladentheke bis zum Eingang eines Rindes beim Schlachthof und schließlich bis zum Ort der Geburt und Mast sicherstellen.



Sanktionsmaßnahmen bei "Geprüfte Qualität - Bayern"

Gegen teilnehmende Betriebe und Zeichennutzer, die die Programmanforderungen bzw. die Qualitäts- und Prüfbestimmungen von Geprüfte Qualität – Bayern missachten, können Sanktionen verhängt werden. Art und Schwere der Sanktionsmaßnahmen richten sich nach der Bedeutung des Verstoßes.

Bei Verstößen der Programmteilnehmer oder Zeichennutzer gegen die Programmanforderungen oder bei Verwehren einer Überwachungsprüfung, kann der zuständige Lizenznehmer

  • eine Belehrung und/oder Verwarnung aussprechen,
  • kostenpflichtige Nachkontrollen auferlegen,
  • für einen bestimmten Zeitraum vermehrte Überwachungsprüfungen oder betriebliche Eigenprüfungen anordnen,
  • eine Vertragsstrafe von bis zu 3.000 € festsetzen
  • Zeichennutzern das Zeichennutzungsrecht befristet oder auf Dauer entziehen
  • Programmteilnehmer aus dem Programm ausschließen.

Von einer Sanktion oder dem Ausschluss aus dem Programm betroffene Programmteilnehmer bzw. Zeichennutzer können im Streitfall über den Lizenznehmer den zentralen GQ-Bayern-Sanktionsbeirat anrufen. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, Streitigkeiten in besonders schwierigen Fällen gerichtlich zu klären.

GQ-4C 2009 mitHerk 3D 01